Ein Nachmittag im hohen Gras, Verstecken im Gebüsch, barfuß über die Wiese: Genau diese kleinen Abenteuer machen die Kindheit aus. Dass dabei manchmal eine Zecke mit nach Hause kommt, gehört für viele Familien zum Sommer dazu und ist zunächst kein Grund zur Panik. Wichtig ist nur, dass Sie wissen, wie Sie Ihr Kind schützen, wie Sie eine Zecke richtig entfernen und worauf Sie danach achten sollten. Dann können Sie die warme Jahreszeit gelassen genießen.
Warum Zecken gerade bei uns in Bayern ein Thema sind
Zecken sitzen nicht auf Bäumen, sondern lauern in Bodennähe – in Gräsern, Sträuchern und im Unterholz. Sobald ein Kind vorbeistreift, klammern sie sich fest und suchen eine geschützte, dünne Hautstelle. Beim Blutsaugen können sie zwei Krankheiten übertragen, die viele Eltern verunsichern: die Borreliose, ausgelöst durch Bakterien, und die Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, ausgelöst durch Viren.
Für unsere Region ist das besonders relevant, denn weite Teile Bayerns – einschließlich des Großraums Nürnberg – gelten laut Robert Koch-Institut als FSME-Risikogebiet. Das soll kein Anlass zur Sorge sein, sondern erklärt, warum Vorbeugung und ein gutes Absuchen nach dem Spielen bei uns einen besonderen Stellenwert haben. Die gute Nachricht: Nicht jeder Zeckenstich führt zu einer Erkrankung, und mit ein paar einfachen Gewohnheiten lässt sich das Risiko deutlich senken.
So beugen Sie Zeckenstichen vor
Der einfachste Schutz ist die richtige Kleidung. Lange, helle Hosen und langärmlige Oberteile machen es Zecken schwerer, an die Haut zu gelangen, und auf hellem Stoff fallen die kleinen dunklen Tiere besser auf. Wenn Ihr Kind die Hosenbeine in die Socken steckt, müssen Zecken erst über die Kleidung wandern und werden dabei oft entdeckt. Festes Schuhwerk und das Meiden von hohem Gras und dichtem Gebüsch helfen zusätzlich. Für unbedeckte Hautstellen können zugelassene Insektenschutzmittel sinnvoll sein, deren Wirkung allerdings zeitlich begrenzt ist.
Am wichtigsten ist jedoch eine feste Gewohnheit: Suchen Sie Ihr Kind nach jedem Aufenthalt im Freien gründlich nach Zecken ab. Achten Sie dabei besonders auf die weichen, warmen Stellen, die Zecken bevorzugen – die behaarte Kopfhaut und den Haaransatz, hinter den Ohren, den Hals, die Achseln, die Leistengegend, den Bauchnabel und die Kniekehlen. Bei kleinen Kindern lohnt sich dieser kurze Check jeden Abend, zum Beispiel beim Ausziehen oder Baden. Eine ausführliche Anleitung dazu bietet auch das Portal kindergesundheit-info.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
Eine Zecke richtig entfernen
Entdecken Sie eine festgesaugte Zecke, gilt vor allem eines: Entfernen Sie sie möglichst rasch, denn das Risiko einer Borreliose-Übertragung steigt, je länger die Zecke saugt. Bleiben Sie dabei ruhig – die Entfernung ist unkompliziert. Fassen Sie die Zecke mit einer feinen Pinzette oder einer Zeckenkarte direkt über der Haut, also am Kopf und nicht am vollgesogenen Körper. Ziehen Sie sie dann langsam und gerade heraus, ohne sie zu quetschen. Drücken Sie den Körper der Zecke nicht zusammen, weil dadurch Erreger in die Wunde gelangen können.
Verzichten Sie unbedingt auf alte Hausmittel wie Öl, Klebstoff, Nagellack oder Hitze. Sie töten die Zecke nicht sauber ab, sondern können dazu führen, dass sie vermehrt Speichel und damit Erreger abgibt. Nach dem Entfernen desinfizieren Sie die Einstichstelle und waschen sich die Hände. Bleibt ein winziger schwarzer Rest in der Haut, ist das meist harmlos und wächst von selbst heraus. Notieren Sie sich am besten das Datum des Stichs, damit Sie die Stelle in den folgenden Wochen im Blick behalten können. Eine bebilderte Schritt-für-Schritt-Hilfe finden Sie auch bei den Kinder- und Jugendärzten.
Worauf Sie nach einem Zeckenstich achten sollten
Die allermeisten Zeckenstiche heilen folgenlos ab. Beobachten Sie die Einstichstelle dennoch über etwa vier Wochen. Bildet sich nach einigen Tagen bis Wochen eine ringförmige Rötung, die sich langsam nach außen ausbreitet – die sogenannte Wanderröte –, sollten Sie Ihr Kind bei uns vorstellen. Sie kann ein erstes Zeichen einer Borreliose sein, die sich, früh erkannt, gut mit Antibiotika behandeln lässt. Auch wenn Ihr Kind in den Wochen nach einem Stich Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit oder Gelenkbeschwerden entwickelt, ist ein Termin sinnvoll. Bei Unsicherheit gilt immer: Lieber einmal zu viel nachfragen als zu lange abwarten.
FSME-Impfung: für wen sie sinnvoll ist
Gegen die Borreliose gibt es keine Impfung, gegen FSME hingegen schon. Eine FSME-Impfung ist ab dem ersten Geburtstag möglich, und die Ständige Impfkommission empfiehlt sie für Menschen, die in Risikogebieten leben oder dort viel in der Natur unterwegs sind – worunter, wie erwähnt, große Teile Bayerns fallen. Ob die Impfung für Ihr Kind sinnvoll ist, hängt davon ab, wie viel Zeit es draußen verbringt; das Robert Koch-Institut gibt dazu klare Empfehlungen. Gerade vor einem Sommer voller Ausflüge oder einem Urlaub in der Natur lohnt sich ein Blick auf den Impfschutz.
In unserer Praxis docs4kids in Nürnberg beraten wir Sie gern persönlich, ob und wann eine FSME-Impfung für Ihr Kind infrage kommt, und schauen uns einen Zeckenstich bei Bedarf in Ruhe an. Vereinbaren Sie einfach einen Termin – damit Ihr Kind die Sommertage draußen unbeschwert genießen kann.
Häufige Fragen zu Zecken bei Kindern
Wie entferne ich eine Zecke bei meinem Kind richtig?
Fassen Sie die Zecke mit einer feinen Pinzette oder Zeckenkarte direkt über der Haut, also am Kopf und nicht am vollgesogenen Körper, und ziehen Sie sie langsam und gerade heraus, ohne sie zu quetschen. Entfernen Sie sie möglichst rasch und verzichten Sie auf Öl, Klebstoff oder Hitze. Danach die Einstichstelle desinfizieren und das Datum notieren.
Muss ich nach einem Zeckenstich zum Arzt?
Nicht zwingend – die meisten Stiche heilen folgenlos ab. Beobachten Sie die Stelle aber etwa vier Wochen. Wenn sich eine ringförmige Rötung bildet, die sich ausbreitet (Wanderröte), oder Ihr Kind Fieber, Kopfschmerzen oder Gelenkbeschwerden bekommt, stellen Sie es bitte bei uns vor.
Ab wann ist eine FSME-Impfung für mein Kind sinnvoll?
Eine FSME-Impfung ist ab dem ersten Geburtstag möglich. Da weite Teile Bayerns als Risikogebiet gelten, empfiehlt die Ständige Impfkommission sie für Kinder, die hier viel draußen unterwegs sind. Ob sie für Ihr Kind sinnvoll ist, besprechen wir gern persönlich mit Ihnen.
Woran erkenne ich eine Borreliose?
Typisches Frühzeichen ist die Wanderröte: eine ringförmige, sich langsam ausbreitende Rötung um die Einstichstelle, oft Tage bis Wochen nach dem Stich. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung, sie lässt sich aber früh erkannt gut mit Antibiotika behandeln – deshalb ist das Beobachten der Stelle wichtig.
Wie schütze ich mein Kind am besten vor Zecken?
Helle, lange Kleidung, Hosenbeine in die Socken und das Meiden von hohem Gras senken das Risiko. Am wichtigsten ist das gründliche Absuchen nach jedem Aufenthalt im Freien – besonders an Kopfhaut, hinter den Ohren, am Hals, in den Achseln, der Leiste und den Kniekehlen.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt nicht das persönliche Gespräch mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt.

