Pseudokrupp beim Kind: was tun bei bellendem Husten in der Nacht?

Arzt untersucht Mädchen mit Stethoskop in Praxis

Es ist mitten in der Nacht, Ihr Kind wacht plötzlich auf und hustet laut und rau, fast wie ein bellender Seehund. Dazu kommt ein pfeifendes Geräusch beim Einatmen, und Ihr Kind ist sichtlich verängstigt. Viele Eltern erleben ihren ersten Pseudokrupp-Anfall genau so, und der Schreck sitzt tief. Die gute Nachricht vorweg: Pseudokrupp beim Kind verläuft in den allermeisten Fällen mild und klingt innerhalb von ein bis zwei Tagen ab. Wenn Sie wissen, was im Hals Ihres Kindes passiert, was Sie im Anfall tun können und wann Sie Hilfe rufen sollten, können Sie in dieser Situation ruhig und sicher handeln.

Was ist Pseudokrupp?

Pseudokrupp, auch Krupphusten oder Kruppsyndrom genannt, ist eine Entzündung im Bereich des Kehlkopfs und des oberen Luftröhrenabschnitts. Ausgelöst wird er fast immer durch Viren, oft entwickelt er sich aus einer zunächst harmlosen Erkältung heraus. Die Schleimhaut unterhalb der Stimmbänder schwillt an und verengt die ohnehin noch schmalen Atemwege kleiner Kinder. Am häufigsten betroffen sind Kinder zwischen sechs Monaten und drei Jahren, bis etwa zum sechsten Lebensjahr kann Pseudokrupp auftreten. Danach sind Kehlkopf und Luftröhre so weit, dass es in der Regel nicht mehr zu gefährlichen Anfällen kommt. Im Herbst und Winter, der klassischen Erkältungszeit, häufen sich die Fälle deutlich, wie das Elternportal kindergesundheit-info.de erklärt. Pseudokrupp selbst ist übrigens nicht ansteckend: Das auslösende Virus kann zwar weitergegeben werden, führt bei anderen Kindern aber meist nur zu einem gewöhnlichen Schnupfen. Tabakrauch in der Umgebung begünstigt die Anfälle und verschlimmert die Beschwerden.

Pseudokrupp beim Kind erkennen: die typischen Anzeichen

Oft hat das Kind zunächst ein paar Tage Schnupfen und leichtes Fieber. Dann setzen die Beschwerden meist plötzlich am Abend oder in der Nacht ein. Typisch sind drei Zeichen: ein trockener, bellender Husten, eine heisere oder belegte Stimme und ein pfeifendes oder ziehendes Geräusch beim Einatmen, das Ärztinnen und Ärzte Stridor nennen. Bei einem leichten Anfall ist dieses Geräusch nur beim Husten, Weinen oder Aufregen zu hören, das Kind ist sonst munter und atmet in Ruhe ruhig. Bei einem schwereren Verlauf pfeift die Atmung auch in Ruhe, das Kind muss sich beim Atmen sichtbar anstrengen, und zwischen den Rippen oder unterhalb des Brustbeins zieht sich die Haut beim Einatmen ein. Die Angst des Kindes verstärkt die Atemnot zusätzlich, weil es dann schneller und hektischer atmet.

Was Sie bei einem Anfall tun können

Das Wichtigste klingt einfacher, als es ist: Bleiben Sie ruhig. Ihr Kind spürt Ihre Anspannung, und jede zusätzliche Aufregung verengt die Atemwege weiter. Nehmen Sie Ihr Kind auf den Arm oder setzen Sie es aufrecht hin, sprechen Sie leise mit ihm und trösten Sie es, denn im Sitzen atmet es sich leichter als im Liegen. Viele Familien machen gute Erfahrungen mit frischer, kühler Luft, etwa am geöffneten Fenster, auf dem Balkon oder warm eingepackt vor der Haustür. Auch kühle, feuchte Luft vor dem geöffneten Kühlschrank wird oft empfohlen. Zusätzliche Informationen erhalten Sie auch über das Portal gesund.bund.de des Bundesgesundheitsministeriums. Sie schaden aber nicht und helfen vielen Kindern, sich zu beruhigen. Sobald sich Ihr Kind beruhigt hat, bieten Sie ihm schluckweise etwas Kühles zu trinken an.

Wurde bei Ihrem Kind schon einmal Pseudokrupp festgestellt, haben wir Ihnen vielleicht ein Kortison-Zäpfchen oder einen Saft für den Notfall mitgegeben. Kortison lässt die geschwollene Schleimhaut abschwellen. Geben Sie das Medikament bei einem deutlichen Anfall genau so, wie wir es mit Ihnen besprochen haben. Die Wirkung setzt erst nach einer Weile ein, eine Besserung ist also nicht sofort zu erwarten. Hustensäfte, Hustenstiller oder Erkältungsbalsame helfen bei Pseudokrupp dagegen nicht.

Wann Sie sofort den Notruf 112 wählen sollten

Die meisten Anfälle lassen sich zu Hause gut beherrschen. Rufen Sie aber sofort den Notruf 112, wenn eines der folgenden Zeichen auftritt:

  • Ihr Kind hat deutliche Atemnot, auch in Ruhe, und die Haut zwischen den Rippen zieht sich beim Einatmen stark ein.
  • Lippen oder Gesicht werden bläulich oder sehr blass.
  • Ihr Kind wird zunehmend unruhig und panisch oder im Gegenteil auffallend schläfrig und matt.
  • Ihr Kind kann nicht mehr schlucken, speichelt stark, spricht kaum noch und hat hohes Fieber.
  • Die Beschwerden bessern sich trotz frischer Luft und Notfallmedikament nicht.

Das vierte Zeichen ist besonders wichtig, denn es kann auf eine Kehldeckelentzündung hindeuten. Diese seltene, aber lebensbedrohliche Erkrankung wird meist durch das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b verursacht. Dank der Hib-Impfung, die zu den Standardimpfungen im Säuglingsalter gehört, ist sie in Deutschland selten geworden. Ob Ihr Kind vollständig geimpft ist, sehen Sie in unserem Überblick zu Vorsorge und Impfplan.

Nach dem ersten Anfall: ab in die Kinderarztpraxis

Auch wenn sich der Anfall in der Nacht wieder gelegt hat, sollte jeder erstmalige bellende Husten kinderärztlich abgeklärt werden. Bei der Untersuchung können wir einschätzen, wie ausgeprägt die Entzündung ist, andere Ursachen ausschließen und bei Bedarf ein Notfallmedikament für die nächsten Nächte verordnen. Denn Pseudokrupp kann in derselben Erkältungsphase wiederkehren, und manche Kinder bekommen in den folgenden Wintern erneut Anfälle. In unserer Praxis docs4kids in Nürnberg-Altenfurt sind wir während der Sprechzeiten für Sie da, einen Termin vereinbaren Sie telefonisch oder über unsere Online-Terminbuchung. Nachts und am Wochenende finden Sie auf unserer Seite zum kinderärztlichen Notdienst die richtigen Anlaufstellen. Vorbeugend hilft vor allem eine rauchfreie Umgebung, sowohl in der Wohnung als auch im Auto.

Häufige Fragen zu Pseudokrupp beim Kind

Ist Pseudokrupp gefährlich?

Meist nicht. Die allermeisten Kinder haben nur leichte Beschwerden, die innerhalb von ein bis zwei Tagen von selbst abklingen. Gefährlich wird es, wenn die Atemnot stark zunimmt, das Kind auch in Ruhe angestrengt atmet oder die Lippen bläulich werden. Dann rufen Sie bitte sofort den Notruf 112.

Ist Pseudokrupp ansteckend?

Pseudokrupp selbst ist nicht ansteckend. Ansteckend sind die Viren, die ihn auslösen. Bei anderen Kindern verursachen sie aber meist nur eine gewöhnliche Erkältung, einen Pseudokrupp-Anfall müssen sie nicht bekommen.

Warum tritt Pseudokrupp meistens nachts auf?

Das hat mehrere Gründe: Im Liegen schwillt die Schleimhaut stärker an, der Körper schüttet nachts weniger eigenes Kortison aus, und die Luft in geheizten Räumen ist oft trocken. Deshalb beginnen die Anfälle typischerweise am späten Abend oder mitten in der Nacht.

Hilft frische, kühle Luft bei einem Pseudokrupp-Anfall?

Viele Kinder beruhigen sich an der frischen Luft am geöffneten Fenster oder warm eingepackt draußen, und die Maßnahme schadet nicht. Wissenschaftlich belegt ist die Wirkung allerdings nicht. Entscheidend sind Ruhe, eine aufrechte Haltung und bei starken Beschwerden das Notfallmedikament oder ärztliche Hilfe.

Kann Pseudokrupp wiederkommen?

Ja. Ein Anfall kann sich in derselben Erkältungsphase wiederholen, und manche Kinder bekommen auch in den folgenden Wintern erneut Pseudokrupp. Mit zunehmendem Alter werden Kehlkopf und Luftröhre weiter, sodass die Anfälle ab etwa dem sechsten Lebensjahr in der Regel ausbleiben.